Soldatenfrau

Der Text ist von 2010 und wurde ursprünglich auf Kaffeebeimir veröffentlicht. Das Afghanistan-Mandat wurde eben verlängert.

 
Zur Zeit ist der Mann einer Bekannten auf Besuch zu Hause. Er ist Soldat und zum vierten Mal im Afghanistan-Einsatz; jetzt hat er Heimaturlaub. Er geht nicht nach Afghanistan (wie er vorher schon in Ex-Jugoslawien war), weil er von der Mission so sehr überzeugt ist, sondern weil er seine Frau und die drei kleinen Kinder ernähren will.

Seine Frau ist die meiste Zeit des Jahres allein. Sie stemmt Haushalt, Kindergarten, Schule, Hobbys, Freunde und Krankheiten der Kinder, hat daneben noch vormittags eine Arbeitsstelle und fällt abends todmüde ins Bett. Für soziale Kontakte, die nicht die Kinder betreffen, ist keine Kraft übrig. Zu ihrem Mann hält sie Kontakt über das Internet oder telefoniert mit ihm.

Jedes Mal, wenn das Telefon läutet, wappnet sie sich innerlich. Wenn ich gerade bei ihr bin, kann ich sehen, wie sie ihre Schultern strafft und sich einen Ruck gibt. Ihr Gesicht wird dann ganz glatt und ausdrucklos.

Bis jetzt waren es immer Anrufe von Freunden oder Bekannten, Schule oder Kindergarten. Der eine Anruf ist ihr bis jetzt erspart geblieben. Ihr ist klar, je länger der Krieg dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß er eines Tage kommt.

Ich könnte das nicht.

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3 Gedanken zu “Soldatenfrau

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