Social Media im Katastrophenfall: Zweiklassengesellschaft

Sybille Klormann und Juliane Leopold beschreiben auf ZEITonline, wie nach dem Anschlag in Boston die sozialen Netzwerke zur Kommunikation mit der Bevölkerung genutzt werden. Sie kommen zu dem Schluss, in Deutschland sei das wegen der geringen Verbreitung von Twitter und Facebook noch nicht möglich.

Es ist das klassische Henne-Ei-Problem, denn es geht nicht um Verbreitung, sondern um Akzeptanz. Wie sollen sie sich verbreiten, wenn in den Mainstreammedien ständig vor dem Internet gewarnt, Twitter als lustiges Spielzeug und Facebook als Schmuddelecke dargestellt wird? Es sind zwei getrennte Kommunikationssysteme entstanden. Das ist ineffektiv und gefährlich. Was also würde in einem Katastrophenfall passieren?

Die Jüngeren wären früh und umfangreich informiert. Dank Medienkompetenz – oder Surfpraxis – wüssten sie nach den ersten Meldungen, woher sie weitere, zuverlässige Informationen bekommen. Auf die Infohäppchen der Sender wären sie nicht angewiesen. Sie könnten schnell Netzwerke bilden, Hilfe leisten oder andere informieren.

Die “klassischen Warnungen über Funk und Fernsehen” würden die Älteren erreichen, zeitverzögert und gefiltert. Wie lange es dauert, bis die Sendeanstalten reagieren, konnten wir schon ausreichend besichtigen (zuletzt bei dem sogenannten Anschlag am Bonner Bahnhof). In der Folge solcher Ereignisse wird auch keineswegs informiert, sondern spekuliert.

Die Sirenen sind mittlerweile weitgehend abgebaut. Man könnte allerdings Lautsprecherwagen durch die Straßen fahren lassen – sehr sinnvoll, da sich Katastrophen vorzugsweise auf dem dünnbesiedelten Land ereignen, wo viel Platz und wenig Umgebungslärm ist.

Vielleicht sollten sich Katastrophenschützer, Politiker und Medien endlich zusammensetzen und beraten, ob die Verteufelung der sozialen Netzwerke wünschenswert ist, oder ob sich damit vielleicht eine Notfall-Kommunikation für die breite Bevölkerung aufbauen ließe. Die allgemeine Akzeptanz würde sicher erheblich steigen durch den Hinweis, dass dieses Internet Leben retten kann.

(Ursprünglich für … Kaffee bei mir? geschrieben)

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