Wir basteln uns eine Zeitung

Neineinein, keine Angst, das ist gar nicht so schwer. Das macht sogar Spaß und ist richtig spannend. Das mit dem spannend sagt auch der Malte Hinz von der Westfälischen Rundschau, der muss das als Exbetriebsrat und Chefredakteur schließlich wissen.

Also, erst mal entlassen wir alle. Daraus machen wir eine schicke Überraschung, so, wie der Herr Nienhaus das gemacht hat. Weil, sonst merken ja die anderen Medien, dass bei uns gerade was ganz Tolles, Wegweisendes passiert, und das sollen die ja noch nicht. Wir selbst haben natürlich schon längst alles geplant und können jetzt ein zukunftsfähiges Konzept präsentieren. Der Name ist gut eingeführt, wären wir ja blöde, wenn wir den änderten. So eine Marke ist echtes Geld wert, und die Leser merken das dann vielleicht gar nicht, dass da jetzt was anderes hintersteckt als vorher. Gut, so ein richtiges Arbeiterblatt war das ja schon lange nicht mehr, und ob die Tickertexte jetzt von den Einen oder von den Anderen bearbeitet werden, du lieber Himmel, da kräht doch kein Hahn nach. Ein Flugzeugabsturz mit hundert Toten bleibt ein Flugzeugabsturz mit hundert Toten, egal, was vorne draufsteht. Anderswo haben wir ja noch eine Redaktion, die können ein bisschen Feuilleton und Meinung schreiben, sollen ruhig was tun für ihr Geld. Kann man auch noch drüber nachdenken, ob man das wirklich braucht.

In diesem Internet gibt es so viele frische Inhalte, da könnte man ja auch mal so was drüberlaufen lassen und hätte direkt knackige Kurznachrichten. In den USA machen schon Maschinen Sportberichte, das klappt sehr gut und fällt überhaupt nicht auf. Wieder eine Redaktion eingespart, wunderbar, und Börsenberichte kann man auch automatisiert erstellen. Reportagen sind zu teuer, kann man dito knicken, ist der Leser sowieso nicht mehr gewohnt. Der kann sich so was im Fernsehen angucken, ist auch bunter. Gut, aber das sehen wir dann später.

Jetzt verkaufen wir unsere neue Zeitung erst mal als großartigen Beitrag zur Pressevielfalt – wo gibt es das schließlich sonst? Innovation und Synergien, das braucht der deutsche Zeitungsmarkt. Und vielleicht kann man diese bahnbrechende Idee ja noch woanders verkaufen.

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