Hiob geht um

Der Verkünder schlechter Nachrichten geht durch’s Zeitungsland, von Vielen schon lange gesichtet und mit gut begründeten Botschaften. Aus den Führungsetagen wird dem bisher wenig entgegengesetzt, straffen, zusammenlegen, entlassen scheinen nach wie vor die Mittel der Wahl zu sein. Dumm nur, dass einerseits Zeitungen für eine Demokratie wichtig sind, sich aber in der herkömmlichen Form nicht mehr so verkaufen und auch bei den Jüngeren nicht signifikant zur Meinungsbildung beitragen. Dumm auch, dass gleichzeitig zwar viel Wert auf universitäre Bildung, Exzellenzinitiativen und ähnliche Wohltaten für Wohlhabende gelegt, aber bei der durchschnittlichen Schulbildung seit Jahren gespart wird. In Deutschland entsteht eine zweite Schere: Neben der vorhandenen ungleichen Vermögensverteilung wird Bildungsferne in der Breite kräftig gefördert.

Der Staat nimmt seinen Auftrag zur Daseinsvorsorge schon lange nicht mehr ernst, stattdessen verteilt er Steuergeschenke an Groß-Stromabnehmer und Betreuungsgelder an Familien, die sich dann ein Au-pair-Mädchen zusätzlich leisten können. Die für 2013 zugesicherten Kindergartenplätze werden nicht in ausreichender Zahl geschaffen werden können – es fehlen noch 220.000; die Gemeinden sind nicht finanzkräftig genug, die Kirchen haben sich vielerorts zurückgezogen. Gerade schicken sich auch die Krankenhausbetreiber an, die Versorgung zu verbilligen, indem sie ausländische Ärzte einstellen, die für weniger Geld arbeiten als ihre deutschen Kollegen. Das Problem der Altenpflege und -betreuung ist weiterhin nicht gelöst.

Analog zu dem Sozialabbau im Innern wird, angetrieben von der Regierung Merkel, ein Austeritätskurs verfolgt, der in den betroffenen Ländern bereits jetzt zeigt, dass er das völlig falsche Mittel ist. (Ich hatte das irgendwo am Beispiel des Kaufmanns beschrieben.) Während also überall prekäre Lebensverhältnisse zunehmen und auch in einem reichen Land wie Deutschland eine zuverlässige Lebensplanung nicht mehr möglich ist, sterben gleichzeitig Zeitungen.Nicht, weil sie nichts zu berichten hätten. Weil sie es nicht tun.

Immer, wenn die Lebensumstände schwierig sind, besteht hoher Bedarf an Erklärung und Einordnung, zumal, wenn es sonst wenig Verlässliches gibt. Brechen die vertrauten Medien weg – ja, was dann? Es ist verständlich, dass Verleger keine Lust mehr auf ein aussterbendes Geschäftsmodell haben, so sehr sie auch noch zappeln. Aber ist es nicht längst so, dass deutsche Medien großenteils nur noch Agenturmeldungen wiedergeben? Dass Meinungen ohnehin anderswo gesucht werden? Eigentlich fehlt nur noch der oder die große Unbekannte oder eine Organisation, die sich die Orientierungslosigkeit zunutze macht.Vermutlich werden bis dahin noch ein paar Hundert Journalisten mehr entlassen, ein paar Zeitungen mehr sterben. Und vermutlich wird es von denen da oben niemanden weiter interessieren.

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