Medientage München. Soso.

In München tagen wieder die Elefanten. Eines der Hauptanliegen der Medientage scheint – wie in den vergangenen Jahren – die gegenseitige Versicherung zu sein, dass man alles richtig macht.

In diesem Jahr moderiert erstmals Miriam Meckel die traditionelle “Elefantenrunde“. Eine gute Wahl. In ihren kulturpessimistischen Veröffentlichungen geht es um die Kommunikationsfalle, die Allmacht der Algorithmen und das digitale Inferno.
Das passt zu einer Veranstaltung, die die neuen Medien – nach dem guten, alten Einbahnstraßenprinzip – bisher nur als Verlautbarungsmöglichkeit wahrnimmt und keineswegs auf den Austausch setzt, den sie ermöglichen. Überhaupt, dieses ganze neumodische Getöse:

Die Antwort blieb leider aus.

In der Pressemitteilung hieß es:

„Diese Verschlankung schafft die Basis für noch tiefer gehende, pointiertere Diskussionen als in der Vergangenheit“, begründet Johannes Kors, Geschäftsführer der Medientage München GmbH, die Entscheidung.

Die “Verschlankung” (was für ein Wort) betrifft die Teilnehmerzahl der Elefantenrunde, früher waren es Zwölf, heute sind es Acht. Das ist eine tolle Innovation, die man herausstellen muss: Der Titel lautet folgerichtig “Mediengipfel reformiert, Miriam Meckel moderiert”. Wow.

Natürlich beschäftigt man sich auf den Medientagen mit der Digitalisierung.

Unter dem Motto „Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt“ werden Branchen-Experten aus den Bereichen TV, Online, Print und Radio in über 90 hochkarätig besetzten Panels drei Tage lang über die Trend-Themen der Kommunikationsbranche diskutieren.

Allerdings nur, soweit es Darreichungsformen (Apps!), Übertragungstechniken (Digitalradio!) und Vermarktung (Payment-Systeme!) betrifft. Von Publishing und Content ist die Rede (Qualitätsjournalismus!), von digitaler Wertschöpfung, von Netzpolitik in einem sehr speziellen Kontext, und von den Piraten, die man im Auge behalten muss. Ach ja, und von Google, selbstverständlich.

Um tragfähige Konzepte, die Zuschauer, Zuhörer und Leser in einen Dialog einzubeziehen, ging es dort bisher nicht. Es reicht ja auch, wenn die zahlen, schließlich war das immer so.

Insofern sollte es eigentlich heißen: Münchner Tage der alten Medien.

Crosspost von Carta

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