Lautes Nachdenken über Blogs & so

Hab gerade bei den Ruhrbaronen was kommentiert und wüsste gerne, wie ihr das seht. Den Kommentar setze ich hier so rein, wie ich ihn runtergetippt habe.

Klar, im Kollektiv ist es ein bisschen einfacher, als Einzelblogger mit beschränkter Zeit/wenig Geld ist es einfach nur ein hartes Brot.

Politische Relevanz ‘da draußen’ ist nur zu erreichen, wenn die Themensetzung entweder Viele interessiert oder sehr speziell ist. Der Einzelne ist vielleicht in der Lage, ein Thema intensiv zu verfolgen, ohne featuring von anderen Blogs (Empfehlung, Verlinkung) wird aber auch die beste Recherche einfach versickern.

Die ‘Beziehungen’ der größeren Blogs untereinander sind besser geworden, Verlinken scheint wieder in Mode zu kommen. Die vielen kleinen Blogs bilden nur sehr eng umgrenzte Blasen, obwohl sich dort erstaunliches Fachwissen sammelt – sie werden aber nicht wahrgenommen.

Im Augenblick sehe ich, dass die politische Blogosphäre sich konsolidiert. Dabei rückt sie näher zusammen und bildet gleichzeitig Knoten, die enger abgegrenzt sind als bisher. Die gegenseitige Durchdringung war vor drei, vier Jahren stärker, jetzt scheint es eine unsichtbare Barriere zwischen den ‘Kleinen’ und den ‘Großen’ zu geben.

Die erste Neugier ist befriedigt, man kennt seine Pappenheimer, hat auch wenig Zeit, und der Feedreader ist ohnehin zu voll. Die Teams der größeren Blogs stehen, nach Frischfleisch wird kaum noch gesucht.

Die Entwicklung stagniert, was den Austausch angeht.

Gleichzeitig entstehen andere Kontakte, gerade bspw. die Hangout- Szene (nenne ich mal so). Deren Potential ist riesig, weil Menschen nun mal Bilder mögen, auch, wenn da gar nicht viel passiert – es ist live, und die Themen interessieren Viele (Quartett, Blogger Camp, andere entstehen gerade). @Wolfgang Michal hat geschrieben, er könne nicht verstehen, warum für den LSR-Protest YouTube nicht genutzt wurde – da hat er Recht.

Das ist eine weitere Abgrenzung, die vielleicht noch aus der alten Medienwelt kommt. Die einen schreiben, die Anderen machen Video. Mit der Zeit muss sich das durchdringen und viel mehr Leute ‘draußen’ erreichen; man klickt eben eher auf ein Filmchen, als einen langen Text zu lesen.

Das Problem ist dasselbe: Beide Formen leben von gut vermittelten, knackig präsentierten Inhalten. Dabei besteht für die Schreiber die Notwendigkeit, Leser zu finden (= ‘richtig’ anzusprechen), was ungleich schwieriger ist, als ein zwischen mehreren sich entwickelndes Gespräch zu leiten und als Video ins Netz zu stellen.

Der User ist eher bereit, 45 Minuten ein Video zu verfolgen, als 10 Minuten einen Text zu lesen, der nicht weitgehend der eigenen Meinung entspricht. Beim Text steigt der Leser schneller aus, während er beim Video vielleicht noch bleibt, um zu sehen, was passiert, oder was jemand Bestimmtes sagt. Die ‘Drehbücher’ sind sehr unterschiedlich.

Die Gefahr besteht, dass sich Text und Video auseinander entwickeln, was ich für einen Verlust halten würde. Ich möchte kein hie Fernsehen, da Zeitung-Remake im Netz haben.

In Zukunft sind Netzwerke gefragt, die sich bspw. eben mit Politik befassen. Ich glaube, dass auf lange Sicht Pools entstehen werden, die, je nach Bedarf, übergreifend zusammenarbeiten, und in denen Fachleute gefragt sein werden (während bis jetzt Viele ‘alles’ machen). Nur so ist auch auf Dauer Aufmerksamkeit zu generieren. (Entspricht in etwa dem “mal sehen, was der und der dazu schreibt” im klassischen Journalismus, dadurch sind ‘Größen’ wie Prantl oder Wolfgang Blau entstanden.)

Ein bisschen haben wir die Neugier verloren, sehen eher nach neuen Themen als nach neuen Leuten, auch zu sehr danach, immer auf Linie zu bleiben, dabei sind Querdenker interessant. Wir versuchen auch oft, aktueller zu sein, als wir es leisten können, dann kommen Eintagsfliegen raus, wo ein dauerhaftes Informationsangebot nötig/wünschenswert wäre.

Das politische Interesse ist da, und die Menschen wollen Hintergrund und Einordnung. Sie wollen auch einbezogen werden – alles Dinge, die im Netz wunderbar funktionieren. Dazu müssen wir aber aus den Nischen raus, auch aus denen in unseren Köpfen. Da wohnen nämlich, ganz wie bei den alten Medien, die Habenwirimmersogemachts. Dass wir erst seit vergleichsweise kurzer Zeit so denken, macht es nicht besser.

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