Ein Telefonat mit der Telekom

Genau genommen sogar eine ganze Reihe von Telefonaten. Entscheidend allerdings war das Letzte, heute Morgen. Mann oh Mann. Meine Internetanbindung ist mit 384 kBit/s unterirdisch. Ich möchte aber mit den anderen Kindern spielen und an Hangouts und Videokonferenzen teilnehmen, und das ist nun mal netter, wenn man sich auch sieht. Seit etwa sechs Wochen telefoniere ich also mit der Telekom, um herauszufinden, ob es nicht doch eine Möglichkeit für wenigstens etwas schnelleres Internet gibt. In der Zeit habe ich Lob und Fleißpunkte satt verdient; Fleißpünktchen für meine Geduld und Lob, weil ich nicht! ein! einziges! Mal! aus dem Anzug gesprungen bin.

Es begann mit der vollmundigen Zusicherung, man könne mir ab September DSL 16.000 anbieten. Der Aufpreis wäre gering gewesen, und ich hab mich gefreut wie Bolle. Gott sei Dank haben mich die Erfahrungen mit der Telekom über die Jahre misstrauisch gemacht, also habe ich erst mal Freunde und Bekannte gefragt. Zufällig ist darunter ein ehemaliger Telekömmer aus dem Nachbardorf, und der hat direkt den Kopf geschüttelt: “Niemals. Bei dir kriegst du in der jetzigen Ausbaustufe maximal DSL 2000.” “Na ja, die bezahle ich ja auch, weshalb bekomme ich die dann nicht?” “Weil das nun mal der kleinste Tarif ist, egal, ob du darunter oder darüber liegst.” Aha.

Dieselbe Frage habe ich dann auch der Telekom gestellt. Neinneinnein, das sei schon alles richtig, also 16.000 wären bei mir auf jeden Fall verfügbar. Ich hab dann mal ganz blauäugig gefragt, von welchem Verteiler ich denn versorgt würde. Na, von dem in der Verbandsgemeinde. Jaha, hab ich gesagt, die haben ja auch 16.000, erreichen sie zwar auch nicht ganz, aber so in etwa kommt das hin. Bloß wohne ich fünf Kilometer weiter. Dazwischen liegt eine Achterbahn von Straße, und dort liegt nur das alte Erdkabel. Wenn sich da was getan hätte, wüsste ich das, denn dann hätten die Landbesitzer den Aufstand geprobt, weil deren Fluren hätten aufgebuddelt werden müssen. Das mögen die nicht.

Die Menschen von der Telekom haben mehrmals verschiedene Messungen angestellt, die zwar 768 kBit/s ergaben, aber das war auch nicht wirklich hilfreich. Bei jedem Telefonat durfte ich wieder den ganzen Sachverhalt schildern; zweimal bin ich an Callcenter-Mitarbeiter geraten, die so eben Telekom schreiben konnten, und habe das ganze freundlich beendet. Es bringt nichts, wenn man jemandem sagt, etwas sei rot, und er bleibt felsenfest dabei, es sei aber doch blau. Hin und her, wir haben auch verschiedene Mobilfunk-Alternativen durchgekaut, aber keine befriedigende Lösung gefunden.

Bis heute Morgen. Yeah.

Der Mann am anderen Ende war sehr freundlich, bot direkt einige Möglichkeiten an und hat auch sofort gemessen. Und, oh Wunder: Am 15. bekomme ich DSL 2000. Echt jetzt. “Wieso können die auf der anderen Seite vom Dorf  schnelleres Internet als ich?” Er hat kurz was nachgesehen und, ja, es habe eine technische Umstellung gegeben, das sei jetzt auch bei mir möglich. Die 2000 würde ich nicht ganz erreichen, aber es sei für mich immerhin eine Leistungsverdoppelung. Hm, und warum ist mir das nicht eher angeboten worden? “Ja, das geht erst seit ein paar Wochen. Wir können ja nicht jeden anschreiben, dass sich da was geändert hat.” Den Hinweis, dass ich auch schon seit ein paar Wochen nach einer Lösung suche, habe ich runtergeschluckt. “Die Telekom könnte aber die Leistung einfach raufsetzen …” (Lacht) “Ja, wenn das so einfach gingen … Sie haben ja jetzt angerufen und Ihren Bedarf angemeldet, ich stelle das für Sie um. Sie bekommen in den nächsten Tagen eine Bestätigung, und am 15. wird es dann verfügbar sein.” Warum es nicht möglich ist, einfach in den betreffenden Gebieten die Leistung insgesamt heraufzusetzen, konnte er mir nicht erklären. Ich bin ihm trotzdem telefonisch um den Hals gefallen und habe ihm ein Fleißkärtchen mit drei Sternen versprochen.

“… und wenn Sie bei sich in der Gegend unterwegs sind – ich könnte Ihnen da noch eine LTE-Flat anbieten. Die kostet 14,95 im Monat.” Ach?! Wieso wird mir das erst jetzt angeboten? “Die Abdeckung gibt es noch nicht lange, und es wird sehr wenig nachgefragt, aber Sie scheinen das ja zu brauchen, da hab ich gedacht, reden wir mal drüber.” Wie gesagt – ich bin gegen die Telekom äußerst misstrauisch und höre erst mal rum, aber das wäre schon fein. “Ab wann wird diese Flat denn gedrosselt?” fiel mir noch ein. “Ab 3 GB, aber bis dahin haben Sie schon eine Menge Traffic.” Ist doch ein Wort, obwohl, da war noch was … Gut, das kann ich mir ja noch überlegen. “Wann wird es denn LTE für Zuhause geben?” “Ach, wissen Sie, das wird in ländlichen Gegenden nie überall verfügbar sein. Wenn sie nicht gerade in direkter Nähe einer Großstadt leben –” Gut, oder vielmehr schlecht, aber das sind doch Aussagen, mit denen der Kunde was anfangen kann.

Fazit aus dreißig Jahre Erfahrung mit der Telekom, geschäftlich wie privat: Wenn man mit den Jungs vom rosa Riesen telefoniert, kommt es – immer noch – darauf an, wie fit und motiviert der Gesprächspartner ist. Vermutlich hätte ich ebenso gut noch n-mal ohne Ergebnis telefonieren können. Natürlich fühle ich mich gelinde veräppelt, aber wenn am 15. meine Netzanbindung wirklich ein bisschen schneller wird, will ich nicht allzusehr meckern. Nur, liebe Telekom: Service geht anders, eine Trefferquote von etwa 12 : 1 ist sehr, sehr mager. Aber das wisst ihr ja schon, und gestört hat es euch eigentlich noch nie. Was juckt’s die Eiche, wenn die Sau sich an ihr schubbelt.

  • Wenn ihr selbst mal messen wollt: Bei Heise gibt es eine Reihe nützlicher Tools. Ich finde den Netalyzr sehr nützlich, weil er auch Daten ausgibt, die Telkos gerne verschweigen.
  • Wer mehr lustige Geschichten über die Telekom lesen möchte, schaut am besten bei Christian Jakubetz rein: Es sind mittlerweile fünf Teile. Hier geht’s los.
  • Fairerweise muss ich sagen, dass die Leute bei @Telekom_hilft sich wirklich Mühe geben.
Advertisements