Plädoyer für den Schierlingsbecher

Ich bin dafür, endlich letztschlüssig über die Wiedereinführung des Schierlingsbechers zu entscheiden. Der volkswirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand.

Dazu empfehle ich dringend die Erstellung eines Verwertbarkeitszertifikats, das mitzuführen und auf Verlangen vorzuweisen ist. So könnte jederzeit schnell und unbürokratisch (somit kostensparend) nachgewiesen werden, ob sich beispielsweise eine Reparatur nach einem Unfall noch lohnt. Der Einbau von Ersatzteilen wie Zahn- oder Gelenkprothesen könnte so auf das tatsächlich notwendige Minimum (nur zur notwendigen Instandhaltung) reduziert werden. Es sollte auch überlegt werden, ob nicht die Implentierung eines RFID-Chips mit einem Verfallsdatum sinnvoll wäre, das ab dem 50. Verwertungsjahr nach einer Generaluntersuchung durch die zuständige Zentralwerkstatt sukzessive um jeweils ein Jahr verlängert werden kann. Als endgültiger Stichtag böte sich der 79. Geburtstag an (bei Frauen evtl. der 84.), spätestens aber, wenn die Arbeitskraft und/oder irgendein sonstiger, für das Volkswohl verwertbarer Nutzen nicht mehr nachzuweisen sind.

Als weitere Maßnahmen schlage ich vor:
Arbeitnehmer werden verpflichtet, in ihrer Nichtarbeitszeit ausschließlich solchen Betätigungen nachzugehen, die der Funktionserhaltung der körperlichen und, soweit für ihre Verwertung erforderlich, geistigen Fähigkeiten dienen. Von gefährlichen Tätigkeiten (Verlassen der Arbeitsstadt, Verkehrsteilnahme) ist abzusehen, soweit sie nicht unmittelbar dem Aufsuchen der Arbeits-/Verwertungsstelle dienen. Fortpflanzen sollen sich nur Individuen, die genetisch nachweislich bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften gemäß branchenspezifischem Anforderungskatalog haben. Jede Frau sollte möglichst viele Kinder gebären, sofern dies ihre Arbeitsverwertung nicht nachteilig unterbricht. Längerfristig wäre die Umstellung auf in-vitro-Reihenfertigung sinnvoll.

Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme und Schlafbedürfnis werden genetisch optimiert. Lebensmittel, vorzugsweise aus arbeitnehmereigenem Anbau, sollen nahrhaft und bekömmlich sein; Kleidung aus heimischer Produktion einfach, zweckmäßig und einheitlich. Auf Importe kann verzichtet werden, sofern sie nicht dem Unterhalt der Eliten dienen.

Die Zentralstelle zur Verwaltung des Nachweises der Verwertbarkeit (ZVNV) ersetzt Krankenkassen und Versicherungsgesellschaften. Das Problem der niedergelassenen und Landärzte wäre ebenfalls gelöst: Zentralwerkstätten stellen die medizintechnische Versorgung der Arbeitsstädte sicher. Sachversicherungen werden überflüssig, da die Habe genormt, einfach, stabil und für alle gleich ist, bei Verschleiß wird sie vom Staat ersetzt (willkürliche Beschädigung wird jedoch streng geahndet). Friedhöfe für die Bevölkerung sind ebenfalls obsolet, die Reste werden rückstandslos entsorgt.

Ein Finanz- und Haushaltsplan regelt vordringlich die Verwendung der Gelder für die persönliche Versorgung der verwaltenden Oberschicht sowie Anlage, Pflege und Sicherung ihrer Wohnstätten in landschaftlich reizvollen Gegenden, um so deren Anstrengungen für das Gemeinwohl störungsfrei zu ermöglichen. Diesen Garanten des Systems ist jederzeit respektvolle und pflegliche Behandlung sowie jeglicher erdenkliche Luxus zu gewährleisten.

(Überarbeitet am 27.01.2016, die ältere Fassung steht auf ‚Kaffee bei mir‚)
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