Piraten: Die Kunst der Unsichtbarkeit

So ziemlich von Anfang an bekam ich die Flaschenpost, den Newsletter der Piraten. Mit zunehmendem Erfolg der Partei nahm das Angebot an Informationen und schließlich Pressemitteilungen zu. Mittlerweile erhalte ich oft mehrmals täglich Stellungnahmen, Ankündigungen oder Einladungen.

Gestern Abend gab es eine hoch interessante Veranstaltung, eine Podiumsdiskussion zum ESM-Vertrag mit Peter Bofinger und Klaus P. Regling. Der Wirtschaftsweise und der Chef des EFSF (künftig des ESM) sind nun wirklich keine kleinen Lichter, die man mal eben so abfeiert, das war den Veranstaltern wohl auch klar. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet eine so prominent besetzte Diskussion, noch dazu über ein Thema von allgemeinem Interesse, nicht mit ausreichend Vorlauf beworben wurde. So blieb sie denn auch einigermaßen unsichtbar: Am Ende des Livestreams werteten die Organisatoren geschätzte vier- bis fünfhundert Zuhörer als Erfolg.

Liebe Piraten, nutzt eure Multiplikatoren, die Leute, die über ihre Kanäle viele andere Leute erreichen und so auf ein Ereignis oder eine Veranstaltung hinweisen können. Wie Netzknoten funktionieren, wisst ihr doch. Allein über die bestens vernetzten Wirtschaftsblogger auf Twitter und das Carta-Blog, geschweige, über eure sonstigen, mittlerweile vorhandenen Kontakte hätten sich deutlich mehr Zuhörer erreichen lassen. Nebenbei bemerkt ist es auch ein Zeichen von Respekt für die Gesprächsteilnehmer, dass für eine breitere Öffentlichkeit gesorgt wird.

So sind interessante Aussagen der beiden Fachleute einfach mangels Masse untergegangen, zum Beispiel, dass die Medien über viele positive Entwicklungen hinsichtlich der Rettungspakete überhaupt nicht berichten.

Ihr habt das gut organisiert, die Gesprächsführung war stringent und sachlich – bisschen viel Danksagung am Anfang, aber na gut – das wäre für wesentlich mehr als 400 bis 500 Zuhörer hörenswert gewesen. Bekannte Menschen sagen auch häufig in kleinerer Runde schon einmal Sachen, die sie bei Maybrit Illner nicht sagen würden. Außerdem bietet nicht jede Debatte die Teilnahmemöglichkeit, die ihr mit Mumble und auf dem Pad zur Verfügung stellt.

Also hört endlich auf, vor euch hin zu oszillieren, und schöpft die Kommunikationsmittel aus, die ihr doch wirklich beherrschen müsstet. Partikularinteressen einzelner AGen sind schön und fein: Podiumsdiskussionen mit bekannten und sachkundigen Teilnehmern zählen definitiv nicht dazu, die gehören vor ein möglichst großes Publikum. Macht endlich ordentliche Pressearbeit und gebt Dingen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Sonst müsst ihr euch nicht wundern, wenn ihr öfter als nur gelegentlich als Dilettanten wahrgenommen werdet.

Übrigens fehlt bis jetzt der Hinweis auf die angekündigte MP3.

Wir können alles – außer Öffentlichkeitsarbeit? Ihr wollt doch in den Bundestag, oder?

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