Urheber ohne Recht

Damit eines von vornherein klar ist: Das sogenannte Urheberrecht ist alles, nur kein Recht für Urheber. Wer das noch nicht bemerkt hat, möge bitte hier nachlesen, und es gibt viele weitere hässliche Beispiele. Die Einzigen, denen durchsetzungsfähige Rechte zustehen, sind die Verwerter. Oh, nicht, dass Autoren keine Möglichkeiten hätten, im Klageweg zu bestehen. Nur dauert das ewig lange und kostet mehr Zeit und Geld, als die meisten Autoren sich leisten können. Dem stehen schlag- und finanzkräftige Rechtsabteilungen gegenüber, die nichts anderes tun, als vor Gericht für die Verleger zu siegen. Manche Anwälte verdienen auch gerne ein kleines Zubrot mit dem Auffinden und Abmahnen aus Unkenntnis falsch verwendeter Zitate oder Fotos.

Kreative Ideen werden erst dann zu materiellem Eigentum, wenn sie den Kopf ihres Urhebers verlassen und sich, auf Papier oder digital aufbereitet, verwerten und zu Geld machen lassen. Der Ausdruck geistiger Diebstahl ist daher ein geschickt gewählter Kampfbegriff der Konzerne und äußerst entlarvend: Nur ein manifestes Gut kann gestohlen werden. Damit ist klar, wer als Leidtragender zu gelten hat.

Besser passt immaterielles Gut. Es würde der Debatte nicht schaden, wenn sich dieser Begriff einbürgerte – er ist genau so bildhaft, aber deutlich sachlicher.

Die Diskussion ist dringend nötig, und sie ist öffentlich zu führen. Kaum einem Leser dürften die verschwiegen geführten Kämpfe bekannt sein, dabei wäre öffentliches Interesse an diesem speziellen Medienthema hilfreich. Die Rechteverwerter können auch deshalb so ungehindert agieren, weil sie kaum Kritik von außen ausgesetzt sind. Vermutlich wäre vielen Lesern eine Erklärung für den Qualitätsverlust ihres Stammblatts ebenso willkommen wie die Möglichkeit, mit den Autoren in Kontakt zu treten oder gar Verbesserungsvorschläge zu machen. Allerdings haben deutsche Verlage an dieser Stelle große Berührungsängste. Vielleicht scheuen sie aber auch nur den zusätzlichen Aufwand, denn in ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung kommt der Wert des Lesers ebensowenig zwangsläufig vor wie der des Autors.

Vor allem müssen sich endlich die Urheber untereinander einigen. Die verschiedenen Organisationen, die ihre Interessen vertreten sollen, haben bisher dem fortschreitenden Rechteausverkauf weitgehend widerstandslos zugesehen oder ihn sogar noch unterstützt. Autoren, die sich mit dem Thema befassen, lassen in ihren Texten eine erschreckende Passivität erkennen: Sie klagen über alles und jedes, über die Berufsverbände, über die Verleger, die Konzerne und die Politik. Konzertierte öffentliche Aktionen, die auf die Wehrhaftigkeit der Autoren schließen ließen, sind jedoch bisher nicht bekannt. Dabei sind sie die einzige Möglichkeit, die erforderliche Auseinandersetzung mit einem zeitgemäßen und zukunftsfähigen Urheberrecht in Gang zu setzen, das diesen Namen verdient.

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