Liebe Öffentlich-Rechtliche,

warum fällt es euch so schwer, das rechte Maß zu finden? Seit dem Vormittag läuft Wulff, Wulff und noch mal Wulff – als hätten wir ihn nicht alle herzlich satt.
Die Nachricht lautet: Der Bundespräsident ist zurückgetreten. Punkt. Das ist Faktum, es wird vorerst keine weiteren Entwicklungen geben. Auch die Kanzlerin hat sich bereits geäußert, sie wird parteiübergreifend nach einem Amtsnachfolger bzw. einer Nachfolgerin suchen. Darüber wird in den nächsten Tagen mehr oder weniger wild spekuliert werden, das geht auch ohne n Sondersendungen. Das Procedere und selbst der Zeitplan für die Neuwahl sind bekannt.

Was aber passiert, wenn wirklich etwas passiert? Wenn die Zuschauer begierig auf Berichte warten? Wenn sich minütlich neue Entwicklungen ergeben? Wie beim Aufstand in Ägypten oder den gleich mehrfachen Katastrophen in Fukushima, zum Beispiel. Da hat eine ganze Fernsehnation auf Informationen gewartet – zwei Tage lang. Erst gab es gar keine Meldung, dann nur sehr spärliche Kurznachrichten; wohl dem, der im Internet Al Jazeeras vielfältige und vor allem aktuelle Berichterstattung verfolgen konnte. Der Rest hat leider, leider Pech gehabt.

Dafür zahlen wir Gebühren? Und nun soll gar eine Haushaltsabgabe kommen, die selbst Blinde und Gehörlose berappen müssen? Hört auf, euch Staatskrisen als Legitimation für substanzloses Wiederkäuen derselben Nachricht über Stunden zusammenzubasteln. Werdet einfach eurem Auftrag gerecht. Berichtet, wenn es nötig ist. Dann auch ausführlich und mit Brennpunkt, Jauch und Koll, wenn es sein muss. Aber, bitte, langweilt uns nicht.

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