FormSpring löst Picards Problem

Im August 2009 veröffentlichte Robert G. Picard auf seinem Blog ‘The Media Business’ The Transaction Cost Problem Of Newspaper Micropayments, worin er sich mit den Schwierigkeiten bei der Bezahlung von Online-Presseangeboten beschäftigt. Picard ist ein anerkannter Medien-Ökonom, der an verschiedenen Universitäten lehrt und als Berater grosser Medienkonzerne sowie als Gutachter in Medienrechtsverfahren tätig ist.

Den US-amerikanischen Verlegern um Rupert Murdoch schlägt er die Schaffung einer Kooperative vor, welche die Abrechnung nach einer Art Kreditkartensystem sowie die Verteilung der Gelder an die beteiligten Zeitungshäuser übernimmt. Picard sieht allerdings u.a. Probleme in den Kosten für die erforderliche Infrastruktur und für die vielen einzelnen Transaktionen, die das Produkt verteuern; vor allem hält er die monetäre Bewertung und Abrechnung einzelner Artikel für schwierig.

Nicht Micropayment an sich ist das Problem, sondern der Aufwand für die sowohl qualitative als auch quantitative Beurteilung unterschiedlicher Beiträge.

[..] The biggest pricing challenge, however, is that some articles will be more valuable than others and will be most sought after by consumers. This means newspapers will have to figure out BEFOREHAND which stories fall into those categories and they will have to decide what prices to charge for them. Papers will have to hire personnel to try to figure out before publication which are the most economically valuable stories–something that will be extremely hard to do–or they will have to set prices based on the costs invested in creating each story (something current newspaper accounting systems do not support). In either case, increased costs will result. [..]

Von der Vorstellung ausgehend, daß nicht eine übergeordnete Organisation, sondern die jeweilige Zeitung selbst die Abrechnung übernimmt, liesse sich diese Problematik beispielhaft mit FormSpring lösen.

Zunächst werden durch betriebsinternes Auditing Stammwerte für die von Picard genannten festen Kosten ermittelt. Dann werden veränderliche Regelgrössen für die Beiträge errechnet, die sich z.B. auf Autorenrechte, Rechercheaufwand, Zahlungen an Dritte, (..) beziehen, und einem Schlüssel zugeordnet. Aus diesen Zahlen ergibt sich später der Preis für einen Artikel. Das Procedere ist erst einmal aufwendig, muss aber später lediglich für die Festkosten hin und wieder angepasst werden.

Im zweiten Schritt erstellt die IT-Abteilung mit FormSpring Formulare für alle Arbeitsplätze, auf die Regelgrössen angewandt werden müssen. Darin werden entsprechende Kalkulationsfelder integriert, welche die für die Automatisierung nötigen Algorithmen für alle zuständigen Abteilungen enthalten, sowie ein Verteiler, wer welche Inhalte erhalten soll. Ausserdem werden Formularfelder mit den passenden Berechnungen für die Online-Seiten bereit gestellt.

In weniger als einer Minute können die Werte laut Schlüssel am jeweiligen Arbeitsplatz in das Formular eingegeben werden, das bereits auf dem Bildschirm im Artikel erscheint. Mittels Smart Routing werden die Zahlen sofort ans Controlling und an die Schlussredaktion übermittelt. Das Controlling erhält die korrekten Endpreise nach Kostenstellen aufgeschlüsselt, das haben die Kalkulationsroutinen im Formular bereits erledigt. In der Schlussredaktion kommen die Endkundenpreise pro Artikel an, die mit der fertigen Onlinezeitung ins Netz gestellt werden.

Der Leser braucht später nur noch einmalig seine Kreditkartendaten für den Abrechnungsservice einzugeben, die IP-Adresse seines Rechners liest das Programm der jeweiligen Zeitung zur Absicherung selbständig aus. Danach kann er einfach auf das Formular im Artikel klicken, um den Preis zu akzeptieren und die Zahlung zu veranlassen.

FormSpring arbeitet mit PayPal, First Data (in Deutschland ist die Firmentochter TeleCash* für ‘Internet Payment’ zuständig), Google Checkout und Authorize.net (dort gab es allerdings im Sommer Probleme).

Wiederum per Smart Routing geht das Formular an den Abonnentenservice der Zeitung, wo es dem automatisch erstellten Kundenaccount hinzugefügt wird, sowie an die Marketingabteilung. Aufgrund der vom Leser bezahlten Artikel wird dort personifizierte Werbung zusammengestellt, die der Kunde mit der nächsten Ausgabe erhält. Die Daten für den Aboservice fliessen lediglich in die Statistik, denn den Rest macht PayPal.

Schöne neue Zeitungswelt.

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