Plasbergs Gäste

Nä, wat isset wieder schön. Plasberg hat ja wieder dolle Gäste.

Klaus Kocks, der gleich eingangs die Bibel anzweifelt und wie gewohnt auf Provokation und Konfrontation setzt. Dann muss mal schnell betont werden, er habe seinem persönlichen Freund Sigmar Gabriel geraten, den Berliner Zoo-Eisbären Knut zu adoptieren. Der Mann ist ein echtes Genie der Selbstdarstellung. Wenn er nicht so rechthaberisch rüberkäme, wäre er sogar unterhaltsam.

Den früheren Schauspieler und nunmehr selbst ernannten Umweltaktivisten Hannes Jaenicke, der mit zu Herzen gehender Musikuntermalung die armen Eisbären bedauert und auch schon bei den Haien war.

Dann betont er noch, privat lebe er ‘eigentlich’ ganz umweltbewusst, aber für einen Flug zum Fernsehdrehort könnten schon mal 18 Tonnen Umweltgift aus dem Flieger geblasen werden, das ginge eben nicht anders.

Norbert Röttgen, der feststellt, wir haben nicht nur Herz, Verstand und Seele, sondern wir seien auch keine Maschinen. In dieser Sendung setzt er mal auf das Stichwort ‘Emotionen’ und wirkt überhaupt sehr sympathisch. Kleidsam. Gute PR-Leute.

Sven Plöger, der Wettermann mit den Anzügen in ausgefallenen Farben, schafft wie immer die Grätsche zwischen populärwissenschaftlicher Vorlesung und Show. Das kann er, darum ist er in Talkshows ein gern gesehener Gast.

Renate Künast, deren Über-Ich abgezirkelte Ausschnitte kritischer Fragen vollautomatisch beantworten kann. Mit kurz danach eingeworfenen ironischen Bemerkungen lenkt sie wirkungsvoll davon ab, daß sie gar nicht zur Sache geantwortet hat. Respekt.

Plasberg bringt als Beispiel die Suggestivfrage, für welche Weihnachtsbaumlichter sich Menschen entscheiden (warmes oder kaltes Licht? Schade, daß die bei solchen Fragen nicht mal an einen Sven Giegold geraten…) Er beklagt, daß ja so schrecklich viel Symbolpolitik gemacht werde: Knut, der Eisbär, Merkel im roten Anorak vor dem Eisberg, Röttgen auf dem Fahrrad.
Konkreter wird der beliebige Herr Plasberg allerdings auch nicht.

Die grosse Chance, die Umweltprämie ihrem Namen gerecht werden zu lassen, wurde für populistische Ziele weggeworfen. Umstellung auf Energietechnologien wird nur unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsplätze gesehen. Alle konkreten Anlässe der letzten mindestens 10 Jahre, wegweisende Beschlüsse zu fassen, wurden ‘vertagt’. Umweltverschmutzung darf man in Form von Emissionen handeln. Die Laufzeit von Atomkraftwerken wird verlängert, ein neues riesiges Kohlekraftwerk soll in NRW entstehen. Es ist irre.

Keiner fragt mal, warum der Bevölkerung nicht schon früh vermittelt wurde, daß man Energiesparen auch sportlich betrachten kann. Es kann sogar Spaß machen, wie eine kleine Grundschullehrerin im Nachbarort beweist. Und so schrecklich plötzlich kommt die Erkenntnis der Klimaveränderung ja nun nicht.
Man hätte den Leuten das notwendige Wissen längst unterhaltsam vermitteln können, für allen möglichen Unfug gibt es schließlich Unterhaltungssendungen.
Die Regierung hätte für Akzeptanz sorgen sollen, anstatt über Jahrzehnte Bedenkenträger zu züchten und sie mit sorgsam erwogenen Argumenten zu füttern, warum dies und das ‘nicht geht’.
Es hiess immer nur ‘Verzicht’, nie ‘Steigerung der Lebensqualität’. Es heisst immer noch Wachstum gegen Umweltverträglichkeit.

Die Medien erklären uns aber jetzt, dass ja eigentlich alles ganz anders ist. Schon. Ich bin tief beeindruckt.

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