Wichtige Blogger

Dieser Tage bin ich bei Anne über einen Artikel gestolpert, der mich beschäftigt. Sie stellt die Frage, warum ‘wichtige’ Blogs fast ausschließlich von Männern stammen. Die Tatsache war mir zwar klar, aber ich habe nie weiter darüber nachgedacht.

Den ersten Gedanken habe ich bei Anne in den Kommentaren geschrieben: Frauen kommunizieren anders.

Liest man sich Blog-Kommentare durch, fällt auf, daß Männer eher zum Thema antworten, während Frauen häufig zu anderen Kommentaren Stellung nehmen; es bilden sich oft richtige kleine Kommentarketten. Frauen sind dialogorientierter, eine solche Dialogform ist aber in den meisten Alphablogs nicht gefragt.

Ein weiterer Grund sind die unterschiedlichen Interessen. Ich kenne vergleichsweise wenige Frauen, die Politik und Medien hochinteressant finden. Die Alphablogs behandeln diese Themen. Ich glaube, es liegt daran, daß Frauen pragmatisch denken. Sie haben darauf sowieso keinen Einfluß, warum also sollten sie Zeit und Kraft auf fruchtlose Diskussionen verschwenden? Ein Mommyblog ist die Investition eher wert, er betrifft die direkte Lebenswelt und man hat dort die Möglichkeit, sich auszutauschen und Dinge zu beinflussen.
Dass es anscheinend keine (deutschsprachigen) Statistiken über Mommyblogs gibt, ist bedauerlich. Ich bin sicher, gäbe es welche, würden die Treffer die der männlichen Kollegen in Teilen übertreffen; das hat auch mit der Dialogform zu tun, wodurch die Frage-/Antwort-Rate erhöht wird. In den Kommentaren bei Anne wird bereits gesagt, daß die Klickzahlen nichts über die Qualität einer Seite aussagen.
Allen, die diese Blogs belächeln, sei gesagt, es ist gleich, was man mit Herzblut tut. Denn ob ich ein politisches, ein Handarbeits- oder ein Fußballblog mache: Hauptsache, mir liegt ehrlich daran, und der Leser merkt das. Und warum sollte ich mir die Mühe sonst machen? Sicher nicht für Klickzahlen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß bei den Abmahnungen der Firma Jack Wolfskin gegen die Dawanda-Mädels mit Ralf Schwartz ein Blogger zu Hilfe und erst so Öffentlichkeit zustande kam.
Auch der Fall der Bloggerin Nicole (Antischokke), die wegen eines angeblichen Steinwurfs auf einer Demo angeklagt wurde, gibt zu denken. Ein vergleichbarer Fall hätte bei einem Mann viel höhere Wellen geschlagen, weil er sich auffälliger um Solidarisierung bemüht hätte. Möglicherweise ist unter Männern die Bereitschaft, Solidarität vorauszusetzen, weiter verbreitet als bei Frauen.

Natürlich fällt mir auch ein, ‘und wer, bitteschön, ist Arianna Huffington?’ Das ist unfair, denn solche Rampensau-Qualitäten haben auch nur wenige Männer. Man traut sie ihnen vielleicht eher zu und findet es normal, während es bei einer Frau als etwas Besonderes gilt. Das hat auch viel mit einem überkommenen Frauenbild zu tun, das immer noch in vielen Köpfen ein heimliches Nistplätzchen hat. Für Frauen, die als Sängerin oder Schauspielerin ihr Geld verdienen, gilt das komischerweise nicht. Niemand käme auf die Idee, deren Auftritte bemerkenswert zu finden, aber eine bekannte, publizierende Frau ist ‘anders’. Irgendwie.

Mir fällt es schwer, das alles unter einem feministischen Gesichtspunkt zu sehen. Natürlich kann man alles aus diesem Blickwinkel sehen, aber hier finde ich es nicht angebracht. (Da ärgert mich das hier und das deutlich mehr, denn das gehört klar in die Volksverdummungsecke.)

Wie schon in den Kommentaren bei Anne gesagt wird: Wenn Frauen es wollten, könnten sie auch ein ‘Alphablog’ schreiben. Es fragt sich nur, ob der Aufwand ihnen gerechtfertigt erscheint.

Ich liebe mein Blog als Sammelpunkt für alles mögliche. Ich kann meine Gedanken gut ordnen, indem ich etwas aufschreibe. Mein Blog ist nicht über Suchmaschinen zu finden, weil ich sowas wie sportlichen Ehrgeiz habe, um zu sehen, wie es sich ohne entwickelt. Außerdem weiß ich nicht, ob ich Lust habe, mich mit Kommentaren oder Spam auseinanderzusetzen. Da schreib’ ich lieber in der Zeit was. Meine Art zu bloggen hat Tucholsky gut beschrieben mit ‘meinen kleinen Bedarf schreibe ich mir lieber selbst’. Es macht auf irgendeine merkwürdige Art süchtig, und es ärgert mich sehr, daß ich wegen meines Computerkummers im Moment nicht so schreiben kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Blogs, die ich regelmäßig lese, sind überwiegend die der üblichen Verdächtigen: Netzpolitik, BildBlog, Fefe, Mediaclinique, … Das liegt aber daran, daß ich mich für (Netz-)Politik und Medien interessiere.

Obwohl ich Buchbinderarbeiten mache, sehe ich dafür nie im Netz nach, sondern kaufe mir Fachbücher (fällt mir auch jetzt erst auf). Ich koche auch sehr gern, habe mir aber vor vielen Jahren lieber ein eigenes Rezeptprogramm geschrieben, als mich auf Informationen aus dem Internet zu verlassen.

Das WWW ist für mich ein Informationsmedium für Nachrichten und Aktuelles, in dem ich auch einen Weg gefunden habe, mich auszudrücken. Nicht mehr und nicht weniger.

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