Eine Art Generationsproblem

Ich erlaube mir, hier zu antworten.

Heute morgen behauptete Matthias Schwenk auf Carta Die Medienkrise ist auch eine Krise der kommerziellen Blogs. Darauf gab es viele lesenswerte Antworten und Lösungsansätze; ich schrieb:

ein beispiel für gelungenen web-journalismus ist die huffpost; mit huffpost impact macht arianna huffington gerade mal wieder vor, wie’s geht. und da gebe ich @hendrix (9) recht: das hat sehr viel mit der altersstruktur zu tun.
netzpolitik ist ein paradebeispiel, dass es mit leidenschaft funktioniert. die glaubwürdigkeit des engagements macht den erfolg aus. bei fefe ist es das gleiche: leidenschaft und idealismus. wenn jemand etwas mit herzblut macht, überträgt sich das auf die rezipienten, wie es auch malte (21) und andré (26) beschreiben.

werbung: es entsteht am meisten dort interesse, wo zuverlässig das glaubwürdigste – in welchem bereich auch immer – verlautbart wird. da natürlicherweise links/verbindungen/connections/bekanntschaften von dieser quelle aus in alle himmelsrichtungen zeigen, lässt sich werbung in gewohnter form gar nicht mehr planen, i.e., ’stationär’ anbringen. auf die dauer werden agenturen menschen dafür bezahlen, bspw. ausschliesslich trends auf twitter oder youtube zu beobachten und zu kommunizieren auf teufel komm raus. geplante millionenschwere kampagnen mit terminierten schaltungen wird es nicht mehr geben. zu dieser entwicklung ist alles unter http://www.cluetrain.de/ gesagt (das manifest ist so 10 jahre alt…).

Eine Grundstimmung scheint in den Kommentaren – auch im Artikel – bis jetzt vorzuherrschen: Macht man etwas mit Begeisterung und überzeugt, wird man Leser und Sponsoren finden, mag der Themenkreis weit oder begrenzt sein. Dazu gehören ein Profil und Konstanz. Und es läuft in Amerika besser als bei uns.

In seiner Erwiderung schlägt Jan Tißler einen anderen Bogen. Er plädiert für gemanagte Blogger-Netzwerke. Auch seine Beispiele stammen aus den USA.

Beide liegen in ihrer Vermutung richtig, dass es in Amerika besser klappt.

Denn dieser Ansatz wird in Deutschland nicht funktionieren. Amerikanische Kinder lernen von klein auf, wie man erfolgreich im Team spielt. Deutschen Kindern wird immer noch vorgelebt, dass die Leistung des Einzelnen über der der Vielen steht; ihm wird sehr jung schon klar, dass er sein Wissen/Können am besten für sich selbst nutzt. Diesen Mentalitätsunterschied wird es noch mindestens zehn Jahre geben. Das behaupte ich, weil ich der Mütter-/Grossmüttergeneration angehöre, die selbst so erzogen wurde und diese Erziehung ziemlich unkritisch weitergegeben hat.

Erst die Generation der heute 10-jährigen wird sich vielleicht ganz davon frei machen können. Natürlich sind die heute 20-, 25-jährigen mir schon um Meilen voraus; sie sind deutlich besser in der Lage, Dinge gemeinsam in Angriff zu nehmen. Aber sie haben noch nicht die Entscheidungsmacht und, vor allem, nicht das Geld. Das haben die, die heute in meinem Alter sind.
Die aber haben auch einen ganzen Sack voller anerzogener Vorurteile, überkommener Werte und diese ‘das haben wir immer so gemacht’-Einstellung im Gepäck. Da liegt die Diskrepanz, die Unbeweglichkeit, nicht in der Bewegungsfähigkeit zwischen realer und virtueller Welt. Die Vorstellung, etwas ‘nicht anfassen’ zu können – und das kann man im Web nun mal nicht – ist dieser Generation der schiere Graus, wir haben noch zu viel ‘damals nach dem Krieg gab es ja nichts’ mitbekommen. Eine gedruckte Anzeige kann man anfassen, eine gedruckte Zeitschrift auf den Wohnzimmertisch legen.

Die nächste Generation hat das schnelle Leben, die platzende Dotcomblase, deren Folgen und diverse Abstürze anderer Art erlebt, also auf andere Art einen Glauben verloren.
Im Moment ist sehr vieles möglich, aber es passt einfach noch nicht. Dazwischen steht auch der angelsächsische Unernst und die teutonische Neigung zum Staatstragenden. Da hilft die kürzeste Amortisationszeit nichts.

Steven Jobs’ und Bill Gates’ sind wohl zu jeder Zeit dünn gesät. Lasst uns in den zehn Jahren Annäherung versuchen, einander zuhören und -twittern, wave, cloud und Ideen ausprobieren, lernen – aber erwartet keine Wunder.

Advertisements

Was meinst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s