Qualitätsjournalismus

Die Bundespressekonferenz ist 60 geworden. Unser Bundespräsident hat mit einer richtig guten Rede milde tadelnd gratuliert. Die Rede ist lang, aber der Anlass war ja auch nicht irgendeiner, und sie ist lesenswert.

Wir wissen alle, wie schrecklich schlecht es der Presse geht, der schwer geschundene Qualitätsjournalismus jault, von Hubert Burda angeführt, unaufhörlich unüberhörbar auf.

Die gebetsmühlenartig wiederholten Versatzstücke sind vereinfacht, ‘Google ist böse und verdient mit unseren Qualitätsinhalten Geld’ und ‘für Recherche haben wir keine Zeit, das bezahlt uns keiner mehr’. Daneben Klagen über den Verlust von Werbeeinnahmen, die fehlende Bereitschaft des werten Publikums, für Einbahn-Journalismus weiterhin Geld zu bezahlen, Blogger, die ihre Meinung mit wenigen Klicks selbst veröffentlich können. (Übrigens beschwert sich in der ganzen Debatte niemand, dass die vierte Gewalt schon längst ein zahnloser Tiger geworden ist. Die Zähne kamen bei der devoten Hofberichterstattung abhanden.)

Da ist es erfreulich, dass der Chefredakteur von ZEIT online, Wolfgang Blau, in einem Interview bei Carta den Eindruck hinterlässt, er habe über eine Wechselbeziehung zwischen Zeitung und Leser nachgedacht:

Für interessanter halte ich Konzepte des nutzer-genierierten, kollaborativen Journalismus, wie ihn etwa die britische Zeitung „The Guardian“ gerade testet.

Interessant hören sich auch Pläne für iPhone-Apps an:

Wir haben da mehrere Projekte in der Pipeline.

Blau scheint erkannt zu haben, dass es eine Zukunft für die Presse dann gibt, wenn sie lernbereit ist, nach Möglichkeiten sucht, Neues zu probieren, und nichts verdient, wenn sie einfach nur laut klagt.

Beide, Köhlers Rede und das Blau-Interview, zeigen in die richtige Richtung. Hoffentlich übersieht der Qualitätsjournalismus die Wegweiser nicht vor lauter Selbstmitleid.

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