Kein Eigenheim für Hartzer

Eine Familie, die von ALG II leben muss — medial: eine „Hartz IV-Familie“ — muss nach dem Willen des Bundessozialgerichts ihr Eigenheim verkaufen. Das Urteil ist in mehrfacher Hinsicht erschreckend.

Auf dem Gebiet des heutigen Deutschland galt Wohneigentum schon immer als etwas für die „besseren“ Leute. Wer bauen konnte, stellte etwas dar, hatte es geschafft. Bis heute gilt in Deutschland ein eigenes Haus als besondere Errungenschaft. Dabei bedeutet das private Wohnhaus für die Erbauer und ihre Familien nicht nur fragiles Prestige, sondern neben Privatheit auch eine solide Wertanlage und Alterssicherung. Etwas, von dem man bei Behörden eine gewisse Erleichterung voraussetzen könnte, wenn es einer Familie gehört, die ALG II bekommt. Weiterlesen

Der Angsthamster

Unser Innenminister ist ein ängstlicher Mann. Weil sich Angst leichter ertragen lässt, wenn viele Angst haben, fördert Herr de Maizière sie hier und da ein wenig. Gerade hat er wieder vorgesorgt.

Hortung (abgeleitet von „Hort“), umgangssprachlich auch Hamstern genannt, bedeutet, Gegenstände oder Sachen wegen ihrer Kostbarkeit oder Knappheit zu sammeln und über den Eigenbedarf (bis zur möglichen Wiederbeschaffung) hinausgehend als Vorrat anzulegen.

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Soldatenfrau

Der Text ist von 2010 und wurde ursprünglich auf Kaffeebeimir veröffentlicht. Das Afghanistan-Mandat wurde eben verlängert.

 
Zur Zeit ist der Mann einer Bekannten auf Besuch zu Hause. Er ist Soldat und zum vierten Mal im Afghanistan-Einsatz; jetzt hat er Heimaturlaub. Er geht nicht nach Afghanistan (wie er vorher schon in Ex-Jugoslawien war), weil er von der Mission so sehr überzeugt ist, sondern weil er seine Frau und die drei kleinen Kinder ernähren will. Weiterlesen

Zweischneidigkeit

Es sieht aus, als müssten wir reden: über die Zweischneidigkeit der Pressefreiheit, die falsche Gefühligkeit in der Politik. Nicht angenehm – da wir doch Vereinfachung und Bequemlichkeit so sehr lieben, dass wir sogar bloß um des Nachbarschaftsfriedens Willen in einen blödsinnigen Krieg ohne Plan und Ziel ziehen.

Der Schweizer Journalist Stephan Klapproth schrieb am 29. November für die NZZ am Sonntag: „Wer uns totschiesst, den schweigen wir tot„. Weiterlesen

Bitte unterstützt „Blogger für Flüchtlinge“

Thomas Stadler und viele andere rufen auf, an der Aktion „Blogger für Flüchtlinge“ teilzunehmen. Seid so gut, bitte:

1. Wenn du Blogger/in, Vlogger/in oder Podcaster/in bist, schreib oder sprich zur Flüchtlingssituation. Sag, warum es wichtig ist, dass wir uns alle um die Flüchtlinge kümmern. Verweise auf diese Spendensammlung. Nutz den Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge.
2. Bitte nutzt Eure Netzwerke und verbreitet diesen Link, um unter dem Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge auf die Spendenaktion hinzuweisen.

Medienwoche-Serie „Journalismus im Internet“: Antwort an Ronnie Grob

Die Schweizer Medienwoche hat gestern eine Serie gestartet, in der sie den Zustand des Journalimus im Netz beleuchten will. Den ersten Beitrag, auf den ich hier eingehe, hat Ronnie Grob geschrieben: Der Journalismus im Internet ist eine Enttäuschung. Denn damit Du diesen Text liest, brauchst Du so eine Schlagzeile.

Lieber Ronnie,

du bist ein bisschen unfair (wirklich nur ein bisschen): Es wird schon mit Journalismus Geld erlöst, es kommt dem Journalismus nur nicht zugute. Weiterlesen

„Der Journalismus im Internet ist eine Enttäuschung“

Upps, nein, eigentlich nicht. Der vollständige Titel des Beitrags heißt nämlich: „Der Journalismus im Internet ist eine Enttäuschung. Denn damit Du diesen Text liest, brauchst Du so eine Schlagzeile.

Ronnie Grob schickte eben die Ankündigung, dass heute auf Medienwoche.ch eine Serie darüber startet, wie das Internet den Journalismus bisher schon verändert hat (danke dafür!). Weiterlesen

Der alerte Herr Dr. Maaßen

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz verteidigt den Geheimschutz vehement. Dabei nützt ihm seine eher verhaltene Einstellung zu bürgerlichen Freiheitsrechten.

Hans-Georg Maaßen stammt vom linken Niederrhein; man sagt, die Menschen dort hätten viereckige Köpfe, weil sie so stur sind. Der Niederrhein ist altes, katholisches Agrarland und war über Jahrhunderte Truppen-Durch- und Aufmarschgebiet. Unter Römern, Franken, Spaniern, den Herzögen von Cleve-Jülich-Berg, kriegerischen Erzbischöfen, Preußen und Franzosen ging es unentwegt um Macht, Einfluss und Zugewinn. Das hat einen Menschenschlag geformt, der nicht sehr redselig ist, Unbekanntem gegenüber misstrauisch und stets bereit, den eigenen Besitz zu verteidigen und zu vermehren. Der Niederrheiner stellt gerne etwas dar und setzt sich, wo nötig, mit Bauernschläue durch. Weiterlesen

Range-Erklärung bedeutet nichts Gutes

Die Erklärung im Wortlaut gibt es bei der Berliner Morgenpost, das Periscope-Video von @terrorismus bei der tagesschau »

Gleich eingangs erklärt der Generalbundesanwalt:

Der Sachverständige teilte mir gestern mit, dass es sich nach seiner vorläufigen Bewertung bei den am 15. April 2015 veröffentlichten Dokumenten um ein Staatsgeheimnis handelt.

Das ist ein Tiefschlag für Netzpolitik.org. Zwar werden Beckedahl und Meister wohl im Rahmen einer großen Schlammschlacht nur benutzt, das ändert aber nichts am ebenso unerwarteten wie unangenehmen Ergebnis: Bleibt der – unbekannte – Gutachter bei seiner Einschätzung, sieht es nicht gut aus für die Beiden. Weiterlesen

Angriff auf die Pressefreiheit: GBA ermittelt gegen Netzpolitik.org

Etwas läuft schrecklich verkehrt im Staate Deutschland.

Als der Generalbundesanwalt nach dem Empfinden des gesunden Menschenverstands hätte ermitteln sollen – nach den Snowden-Enthüllungen -, passierte: nichts. Als er nach Bekanntwerden der Überwachung der gesamten deutschen Bevölkerung durch ausländische Dienste hätte ermitteln sollen, passierte: nichts. Weiterlesen

Ignoranz als Handlungsprinzip

Ratlosigkeit, Unzufriedenheit, Ablehnung, Krawall – der Untergrund bewegt sich schon, aber wir tun, als sei alles normal. Das soll so sein.

Gesellschaft und Politik haben sich so weit voneinander entfernt, dass ihre gegenseitige Abhängigkeit nicht mehr wahrgenommen wird. Wenn man Demokratie wirklich will, ist das eine schlechte Strategie. Aber wollen wir sie denn noch? Weiterlesen